Entsiegelung von Parkplätzen: Lohnt sich der ökologische Umbau?

45 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Deutschland sind vollständig versiegelt. Diese Flächen machen rund 14 Prozent der Landesfläche aus. Regen kann dort kaum versickern.

Entsiegelung von Parkplätzen: Lohnt sich der ökologische Umbau?

Er fließt über befestigte Oberflächen in die Kanalisation – und Asphalt speichert tagsüber Wärme, die er später wieder abgibt. Für Städte wie Karlsruhe ist die Entsiegelung deshalb keine dekorative Zusatzmaßnahme. Sie greift in den Wasserhaushalt und in die Wärmebilanz des Stadtraums ein.

Doch aus dem ökologischen Nutzen folgt nicht automatisch ein gutes Projekt. Entscheidend sind Untergrund, Entwässerung, Nutzung und Baukosten. Wird eine Parkfläche einfach aufgebrochen, ohne den Bodenaufbau und die künftige Funktion mitzudenken, ist wenig gewonnen. Wird sie gezielt umgebaut, kann sie weiterhin Stellplätze bieten und zugleich Regenwasser aufnehmen. Die Kosten für die Entsiegelung von Parkplätzen in Karlsruhe lassen sich daher nicht mit einem pauschalen Quadratmeterpreis beantworten. Der Nutzen hängt ebenso stark von der konkreten Fläche ab.

Vom Asphalt zur Schwammstadt: Was Karlsruhe plant

Karlsruhe arbeitet seit Ende 2024 beziehungsweise 2025 an einem systematischen Entsiegelungskonzept für die Innenstadt. Ziel ist, asphaltierte und betonierte Flächen schrittweise zurückzubauen und zu begrünen. Das Konzept knüpft an das Strategiepapier „Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt“ an. Unterstützt wird die Arbeit durch das Landesförderprogramm KLIMOPASS und das Bundesprogramm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“.

Der Ansatz ist nachvollziehbar: Statt einzelne Flächen unabhängig voneinander zu verändern, soll die Stadt geeignete Orte identifizieren und ihre Umgestaltung planen. Das ist relevant, weil eine entsiegelte Fläche nicht nur nach ihrem Belag beurteilt werden kann. Wasser muss an Ort und Stelle versickern können, ohne Gebäude, Leitungen oder angrenzende Grundstücke zu gefährden. Bäume brauchen durchwurzelbaren Boden. Wege und Zufahrten müssen ihre Funktion behalten. Und die Nutzung des Platzes darf nicht durch eine Planung ersetzt werden, die auf dem Lageplan besser aussieht als im Alltag funktioniert.

Bereits der städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung von 2015 wies auf ein erhebliches Begrünungspotenzial bei fast vollständig versiegelten Parkflächen hin. Ein Gemeinderatsantrag zur schrittweisen Entsiegelung innerstädtischer Flächen folgte 2021. Das aktuelle Konzept macht aus dieser länger bekannten Aufgabe eine konkrete Planungsarbeit. Wie viele Quadratmeter bereits umgestaltet wurden und welche Gesamtsumme die Stadt für sämtliche Vorhaben ansetzt, ist nicht beziffert. Diese Lücke sollte man nicht mit einer vermeintlich präzisen Gesamtrechnung überdecken.

Entsiegelung ist dann wirksam, wenn Wasser tatsächlich im Boden bleibt – nicht bloß, wenn Asphalt durch einen anderen Belag ersetzt wird.

Die Vorteile der Entsiegelung für das Stadtklima entstehen über mehrere physische Prozesse. Ein durchlässiger Boden kann Niederschlag aufnehmen und zeitverzögert abgeben. Vegetation beschattet Oberflächen und kühlt über Verdunstung. Wo Wasser versickert und Pflanzen ausreichend Wurzelraum haben, wird die Fläche gegenüber Hitze und Starkregen robuster. Ein einzelner Umbau beseitigt keine städtische Hitzeinsel. Er kann aber einen Teil der versiegelten Oberfläche aus der Wärme- und Abflussbilanz herausnehmen.

Was die Umgestaltung kostet – und warum der Quadratmeterpreis wenig erklärt

Für Entsiegelungen werden als allgemeine Richtwerte etwa 20 bis 150 Euro pro Quadratmeter genannt. Bei umfangreichem Bodenaustausch und zusätzlicher Begrünung können die Kosten in Größenordnungen von etwa 80 bis 240 Euro pro Quadratmeter liegen. Das sind keine verbindlichen Karlsruher Einheitspreise. Sie beschreiben Spannen, deren Aussagekraft ohne Angaben zum Bestand begrenzt ist.

Der Preis hängt zunächst davon ab, was entfernt werden muss. Asphalt, Beton und Pflaster unterscheiden sich beim Rückbau. Hinzu kommt der Aufbau darunter: Tragschichten müssen gegebenenfalls ausgebaut oder angepasst werden. Ist ein Bodenaustausch erforderlich, steigt der Aufwand. Dasselbe gilt, wenn die Fläche nicht nur durchlässiger, sondern zugleich mit neuen Pflanzflächen, Bäumen oder einer veränderten Wegeführung ausgestattet werden soll.

Auch die Entwässerung kann den Umfang der Arbeiten verändern. Eine Fläche ist nicht automatisch eine funktionierende Versickerungsfläche, nur weil ihr Oberbelag wasserdurchlässig ist. Der Untergrund muss Wasser aufnehmen können. Gefälle, Anschlüsse und angrenzende Flächen müssen so geplant sein, dass Niederschlag nicht an unerwünschten Stellen gesammelt oder abgeleitet wird. Bei einer stark genutzten Fläche kommen Anforderungen an Belastbarkeit und Pflege hinzu.

Kosten- oder PlanungsfaktorWas er für das Projekt bedeutet
Vorhandener BelagAsphalt, Beton und Pflaster erfordern unterschiedliche Rückbauarbeiten.
Unterbau und BodenaustauschMuss Material entfernt oder ersetzt werden, verändert das den Kostenrahmen deutlich.
Umfang der BegrünungPflanzflächen und Bäume benötigen mehr als eine wasserdurchlässige Oberfläche: Entscheidend ist auch der geeignete Bodenraum.
Künftige NutzungZufahrt, Stellplatz oder Aufenthaltsfläche stellen unterschiedliche Anforderungen an Belastbarkeit und Gestaltung.
WasserführungVersickerung funktioniert nur, wenn Belag, Untergrund und Entwässerung zusammenpassen.

Ein Vergleich zwischen zwei Projekten allein anhand der Kosten pro Quadratmeter wäre deshalb irreführend. Ein einfacher Belagswechsel ist nicht dasselbe wie eine Umgestaltung mit Bodenaustausch, Baumstandorten und neu geordnetem Wasserabfluss. Wer Kosten für die Umwandlung von Asphaltflächen bewertet, sollte zuerst den Leistungsumfang vergleichen: Was wird ausgebaut? Was bleibt? Welche Funktion soll die Fläche danach erfüllen?

Für Karlsruhe ist außerdem entscheidend, dass die genaue Gesamtsumme des Innenstadtprogramms nicht vorliegt. Daraus folgt weder, dass das Vorhaben unbezahlbar wäre, noch, dass es günstig umgesetzt werden kann. Eine belastbare Wirtschaftlichkeitsbewertung braucht projektbezogene Kosten und ein klares Zielbild pro Standort.

Teilentsiegelung: Stellplätze erhalten, Wasser durchlassen

Entsiegelung bedeutet nicht zwingend, dass eine Parkfläche vollständig verschwindet. Teilentsiegelungen können die Nutzung als Stellplatz erhalten. Dafür kommen wasserdurchlässige Systeme wie Rasengittersteine, Pflasterrasen oder Schotterrasen infrage. Sie reduzieren den Anteil einer vollständig dichten Oberfläche, ohne die Fläche aus der Parkplatznutzung zu nehmen.

Das ist ein sinnvoller Kompromiss, wenn die Stellplatzfunktion am Ort bestehen bleiben muss. Er ist aber nicht mit einer begrünten Parkanlage gleichzusetzen. Rasengittersteine schaffen eine durchlässigere Oberfläche; sie garantieren für sich genommen weder vitale Vegetation noch eine hohe Aufenthaltsqualität. Schotterrasen kann Wasser aufnehmen, ist aber ebenfalls abhängig von Untergrund, Pflege und tatsächlicher Belastung. Bei häufiger Nutzung kann die Vegetation zurückgehen. Wird die Fläche regelmäßig überfahren, muss die Konstruktion dem standhalten.

Die Entscheidung zwischen Voll- und Teilentsiegelung sollte deshalb von der Funktion ausgehen:

  • Vollständige Entsiegelung bietet mehr Spielraum für zusammenhängende Pflanzflächen und eine neue Nutzung. Sie ist geeignet, wenn Stellplätze an dieser Stelle entfallen können und die Fläche anders organisiert wird.
  • Teilentsiegelung erhält die Stellplatzfunktion und verringert zugleich den Anteil geschlossener Oberfläche. Sie passt dort, wo Parkraum weiterhin benötigt wird, aber der bestehende Belag nicht unverändert bleiben muss.
  • Kombinierte Lösungen können Fahrgassen und notwendige Bewegungsflächen befestigt lassen und dazwischen Versickerungs- oder Pflanzbereiche schaffen. Ihre Wirkung steht und fällt mit der Planung des Wasserabflusses und der nutzbaren Bodenräume.

Der häufige Einwand, Entsiegelung bedeute zwangsläufig den ersatzlosen Wegfall sämtlicher Parkplätze, trifft also nicht zu. Umgekehrt sollte eine Kommune eine durchlässige Stellplatzfläche nicht bereits als umfassende Klimaanpassung verbuchen. Der ökologische Gewinn muss am tatsächlichen Boden- und Wasserhaushalt ablesbar sein.

Durchlässiger Belag ist ein Baustein. Die entscheidende Frage lautet, ob Boden, Wasserführung und Nutzung gemeinsam funktionieren.

Klimaresilienz: Der Nutzen endet nicht beim Regen

Die ökologische Aufwertung versiegelter Flächen wird oft auf einen einzigen Effekt verkürzt: Regenwasser versickert. Für eine sachliche Bewertung reicht das nicht. Eine gute Umgestaltung kann gleichzeitig den Oberflächenabfluss mindern, Vegetation ermöglichen und die Erwärmung befestigter Flächen begrenzen. Wie stark diese Effekte ausfallen, hängt jedoch vom Anteil der entsiegelten Fläche und ihrer konkreten Ausführung ab.

Bei Starkregen zählt nicht nur, ob Wasser in den Belag eindringen kann. Entscheidend ist, wie viel Wasser der Boden aufnehmen kann und wohin Überschüsse fließen. Ist der Untergrund verdichtet oder wenig durchlässig, bleibt die Wirkung begrenzt. Ist eine Fläche so modelliert, dass Wasser in geeignete Pflanzbereiche geleitet wird, lässt sich ihre Speicherfunktion besser nutzen. Die technische Planung muss daher über die Oberflächenwahl hinausgehen.

Für die Kühlung gilt eine ähnliche Einschränkung. Vegetation kann über Schatten und Verdunstung zur Abkühlung beitragen. Dafür braucht sie geeignete Standorte, ausreichend Wurzelraum und Wasser. Ein schmaler Grünstreifen zwischen Stellplätzen ist kein Ersatz für einen zusammenhängenden Baumbestand. Eine Entsiegelung, die zwar den Belag austauscht, aber keine tragfähigen Vegetationsbedingungen schafft, bleibt beim Kühlungseffekt unter ihren Möglichkeiten.

Die Bewertung sollte deshalb drei Ebenen trennen:

1. Wasserhaushalt: Wie viel Fläche wird tatsächlich durchlässig, und kann der Untergrund Niederschlag aufnehmen?

2. Wärmehaushalt: Entstehen Schatten und Verdunstung durch dauerhaft entwicklungsfähige Vegetation?

3. Nutzungsqualität: Bleibt die Fläche für Verkehr, Aufenthalt oder Versorgung funktionsfähig, ohne dass die ökologische Funktion verdrängt wird?

Diese Fragen sind keine Zusatzprüfung für den Aktenordner. Sie entscheiden darüber, ob die Investition einen messbaren Beitrag zur Klimaresilienz leistet oder lediglich den Belag verändert. Auch der spätere Unterhalt gehört zur Rechnung. Pflanzflächen müssen sich entwickeln können; durchlässige Oberflächen müssen ihre Funktion behalten. Eine einmalige Baumaßnahme ist kein dauerhaftes Ergebnis, wenn die Fläche anschließend verdichtet, übernutzt oder nicht gepflegt wird.

Kronenplatz: Planung muss sich am Ort bewähren

Für zentrale Orte der Innenstadt werden im Rahmen des Karlsruher Entsiegelungskonzepts Pilotplanungen entwickelt, darunter für den Kronenplatz. Im Juli 2025 war ein öffentlicher Workshop zur Pilotplanung vorgesehen. Damit kommt eine weitere Prüfebene hinzu: Neben Baukosten und technischer Funktion muss die Gestaltung mit den Anforderungen der Menschen vor Ort zusammenpassen.

Bürgerbeteiligung kann Nutzungskonflikte sichtbar machen, die in einer Flächenbilanz nicht auftauchen. Welche Wege werden tatsächlich gebraucht? Wo werden Liefer- und Erschließungsflächen benötigt? Welche Bereiche eignen sich für Bäume, und wo würde eine neue Pflanzfläche Bewegungsabläufe blockieren? Solche Hinweise ersetzen keine Bodenuntersuchung und keine Entwässerungsplanung. Sie helfen aber, eine technisch machbare Lösung nicht an der alltäglichen Nutzung vorbeizuplanen.

Für die Bewertung des Kronenplatzes sind deshalb keine vorweggenommenen Erfolgsmeldungen angebracht. Eine Pilotplanung ist zunächst ein Planungsstand, kein Nachweis für bereits erreichte Kühlleistung oder Versickerungsvolumen. Entscheidend wird sein, ob das spätere Vorhaben nachvollziehbar ausweist, welche Fläche entsiegelt wird, wie der Bodenaufbau verändert wird und welche Nutzung danach möglich bleibt.

Das ist auch der Maßstab für weitere Vorhaben in Karlsruhe. Ein gutes Projekt benennt nicht nur den Quadratmeterpreis. Es legt offen, welche Kosten im Rückbau, im Bodenaustausch, in der Begrünung und im Unterhalt entstehen. Es zeigt, ob Stellplätze entfallen oder teilweise erhalten bleiben. Und es erklärt, wohin das Wasser bei Starkregen gelangt.

Urteil: Lohnend, wenn die Fläche mehr kann als vorher

Die Entsiegelung von Parkplätzen lohnt sich, wenn sie ein konkretes Problem bearbeitet: zu viel versiegelte Oberfläche, hoher Abfluss, fehlender Wurzelraum oder eine Fläche, die sich im Sommer stark aufheizt. Der ökologische Nutzen ist plausibel und für die Stadtentwicklung relevant. Die Kosten sind mit allgemeinen Spannen von etwa 20 bis 150 Euro pro Quadratmeter, bei umfangreicherem Bodenaustausch und Begrünung auch darüber, jedoch nicht pauschal kalkulierbar.

Für Karlsruhe ist das systematische Konzept ein sinnvoller Schritt, weil es einzelne Umbauten in eine stadtweite Planung einordnet. Ein abschließendes Kosten-Nutzen-Urteil für die Innenstadt ist ohne Gesamtsumme, konkrete Flächenbilanz und ausgearbeitete Pilotprojekte noch nicht möglich. Das ist kein Argument gegen Entsiegelung. Es ist ein Argument gegen vorzeitige Erfolgserklärungen.

Die klare Handlungsoption lautet daher: Flächen entsiegeln, wenn Untergrund und Wasserführung geprüft sind, die künftige Nutzung benannt ist und die Begrünung dauerhaft funktionieren kann. Wo diese Bedingungen fehlen, sollte zuerst geplant und untersucht werden. Ein neuer Belag allein macht aus einem Parkplatz noch keine klimaresiliente Fläche.

Häufige Fragen

Warum reicht ein wasserdurchlässiger Belag allein nicht für eine effektive Entsiegelung aus?
Ein durchlässiger Belag ist nur ein Baustein; entscheidend ist, ob der Untergrund das Wasser tatsächlich aufnehmen kann und wie die Entwässerung sowie die Begrünung geplant sind.
Wie hoch sind die Kosten für die Entsiegelung von Parkplätzen?
Die Kosten liegen als Richtwert meist zwischen 20 und 150 Euro pro Quadratmeter, können bei umfangreichem Bodenaustausch und Begrünung jedoch auf 80 bis 240 Euro steigen.
Können Parkplätze trotz Entsiegelung weiterhin als Stellplätze genutzt werden?
Ja, durch Teilentsiegelungen mit Systemen wie Rasengittersteinen oder Schotterrasen kann die Stellplatzfunktion erhalten bleiben, während der Anteil versiegelter Flächen sinkt.
Welche Rolle spielt die Bürgerbeteiligung bei der Umgestaltung von Flächen wie dem Kronenplatz?
Bürgerbeteiligung hilft dabei, Nutzungskonflikte im Alltag zu identifizieren, die in einer reinen Flächenbilanz nicht sichtbar werden, und sorgt für eine praxisnahe Planung.
Warum gibt es für das Karlsruher Entsiegelungskonzept noch keine Gesamtkostenrechnung?
Eine pauschale Gesamtsumme liegt nicht vor, da die Kosten stark von der individuellen Beschaffenheit der jeweiligen Fläche und dem konkreten Leistungsumfang abhängen.